Einkaufsführer

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Am 11/05/2012 um 07:26 h

Biohandel Deutschland-Frankreich

Biohandel Deutschland-Frankreich

 

Die Europäer sind verschieden, was den Konsum von Bioprodukten betrifft. Am meisten pro Kopf konsumieren die Dänen und der größte Markt befindet sich aufgrund der größten Bevölkerung und trotz eines eher im Mittelfeld liegenden jährlichen pro Kopf Konsums von 71 Euro (2011) in Deutschland. Ernährungsgewohnheiten sind von Land zu Land naturgemäß verschieden, jedoch könnte auch das Wissen um die Auswirkungen unseres Konsums einen Einfluss auf die Neigung Bioprodukte zu kaufen haben. Die Franzosen essen pro Kopf weniger Bio als die Deutschen, aber holen langsam auf. Erfreulicherweise wird für das erste Halbjahr 2012 bereits ein Umsatzplus von 10 % für den französischen Markt erwartet (BÖLW) und das trotz gefühlter Krise in Frankreich. Aber nicht nur der Konsum von Bioprodukten ist in Deutschland höher, sondern auch der inländisch erzielte Umsatz der Biounternehmen. Man möchte meinen Deutschland hat sie alle, die ‚erwachsenen‘ Bio-Unternehmen, die zu regional verwurzelten mittelständischen Unternehmen geworden sind. Rapunzel’s Samba ist nicht nur in Deutschland eine der liebsten Kindheitserinnerungen der jungen Bio-Szene, auch Weleda und andere deutsche Naturkosmetikfirmen sind den Siegeszug außerhalb deutscher Landesgrenzen längst angetreten.  Deutschland, mit dem größten Markt für Bioprodukte hat im vergangenen Jahrzehnt eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Der Umsatz mit Bioprodukten stieg alleine im Jahr 2011 um 9%. Darüber hinaus sind deutsche Biomarken stark in Bioläden des europäischen Auslands vertreten. Der Vorzug nationaler Lebensmittel, der gerade im konventionellen Lebensmittelhandel  von Konsumentenseite häufig zu finden ist, ist hier kaum zu spüren. Dem französischen Biokonsumenten schmeckt nicht nur französischer Käse, sondern auch Joghurt der oberbayerischen Molkerei Andechser, landet mit steigender Beliebtheit auf dem französischen Frühstückstisch und füllt die Regale der Bio-Supermarktkette Bio c’bon.

Frankreich

Auch in Frankreich wächst die Bio-Szene aus den Kinderschuhen. Sind in Deutschland mittlerweile Bio-Supermärkte mit einem Vollsortiment zu finden, die keine Wünsche mehr offen lassen und mit einer Verkaufsfläche, die mit den kleinen beschaulichen Läden aus den Bio-Anfangszeiten nichts mehr zu tun hat, entwickelt sich der französische Naturkosthandel langsam zu einem professionellen Category-Management bei immer noch durchschnittlich kleineren Ladenflächen. In Deutschland machen mittlerweile (Zahlen von 2011) die 17%  großflächigen Naturkostfachgeschäfte mit einer Fläche von über 400 m2 47% des Umsatzes im gesamten Biofachhandel aus. Auch in Frankreich haben zunehmend großflächige Bioketten ihre Türen geöffnet. Biocoop und Naturalia führen den Markt an und locken in Paris an repräsentativer Stelle zum Kauf biologisch erzeugter Produkte. Dabei ist die Entwicklung der Biohandeslketten in Frankreich gerade besonders interessant: Nachdem der konventionelle Discounter Monoprix im jahr 2008 Naturalia übernahm plant auch der französische Einzelhandelsgigant Carrefour die Eröffnung einer Biokette für 2012. In Deutschland scheiterte die Beteiligung der Schwarz-Gruppe (Lidl) an der Münchner Kette BASIC. Die Diskussion über konventionelle Beteiligung geht gerade erst los, sodass die Verbraucherreaktion noch abzuwarten ist.

Hingegen fristen französische Biohersteller  bislang auf dem deutschen Biomarkt ein Nischendasein, trotz höchst individuellen und kreativen Produktangebots. Besonders im Bereich Wellness hat Bio-Frankreich einiges zu bieten. Das Vertrauen deutscher Bio-Konsumenten genießen traditionell aber eher französischer Wein und Obst- und Gemüsewaren. Frankreich als ein Land mit deutlich stärker gewichteter Landwirtschaft verfolgt eine Agrarpolitik, die die biologische Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte nicht fokussiert. Lässt sich mittlerweile in Deutschland ein politisches Nebeneinander beider Anbauformen beobachten, kämpfen französische Biobauern noch alleine auf weiter Flur. Entsprechend bringen es französische Biobauern auf bislang lediglich 3% der französischen Anbaufläche. In Deutschland sind es auch dank Förderprogrammen und hoher Konsumentennachfrage mittlerweile 6%. Franzosen lieben Statistiken in denen deutsche und französische Zahlen verglichen werden, um dann politikverdrossen festzustellen,  dass die französische Politik mal wieder hinterher hinkt. Im Präsidentschaftswahlkampf spielten Umweltthemen kaum eine Rolle; wohl aber der wirtschaftliche Vergleich Frankreich-Deutschland. Für die anstehenden Parlamentswahlen spräche nichts gegen einen schärferen politischen Wettbewerb und mehr nationalem Ehrgeiz in Sachen Umwelt.

 

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